Donnerstag, 31. Oktober 2013

Mia weiss, was "heiss" bedeutet

Das hat sie schon sehr früh gelernt, als wir mit einem befreundeten Pärchen auf einem Mittelalterfest in Laxenburg waren.
Zu essen hat's gefüllte Brottaschen gegeben, ganz frisch aus dem Backofen. Mia war natürlich sehr neugierig, ich sehr vorsichtig. 
C., der selber schon zwei kinder hat, aber meint: "Lass sie ruhig mal hingreifen, wenn's ein bisserl ausgekühlt ist! Besser sie merkt 'unter kontrollierten Bedingungen', was heiss ist, als einmal an der Herdplatte!"
Das Argument ist vernünftig - Mia darf das etwas ausgekühlte Brot angreifen. Und erfährt gleich, dass das komische Gefühl in ihrem Finger vom heissen Brot kommt. 

Daheim erkläre ich ihr dann, dass auch der Herd, das Backrohr und die Reindl "heiß" sind. Seither hat sie's nicht einmal angefasst. Bis heute.

Heute Abend hat sie mit ihrem Papa für sie kleinen Gespenster, Hexen und Kobolde, die heut ja unterwegs sind, gemacht. Bei Hinstellen vom Schüsserl ist es dann passiert: mit dem Zeigefinger streift sie am Boden vom Reindl. Brandblase inklusive.
Papa reagiert promt, Eis-Spray drauf, dann verbinden.
Als ich 10 Minuten später vom Training heimkomme, ist Mia zwar noch geknickt, aber schon bereit, ins Bett zu gehen.

Mir tut's leid, dass ich nicht daheim war. Nicht, weil das nicht passiert wäre - das kann immer passieren - sondern, weil ich nicht da war, als sich mein kleines Mädchen verletz hat, um sie zu trösten...

Sonntag, 29. September 2013

Mia ist besonders ... (Teil 2)

... aufmerksam
Sie saugt alles auf, wie ein Schwamm. Alles bleibt hängen. 
Das hat natürlich viele positive Seiten: Ich muss ihr nicht jedesmal sagen: "Greif bitte die Herdplatte nicht an, die ist heiss, da kannst du dir sehr weh tun!" oder: "Lauf nicht auf die Strasse, die Autos können nicht so schnell bremsen!" - in der Regel reicht es, wenn ich's einmal erkläre. Und wenn sie versteht, warum sie etwas (nicht) tun soll, hält sie sich auch (meistens) dran.
Sie merkt sich aber auch jedes Versprechen, das man ihr gibt. Jede kleine Ungerechtigkeit. Jeden Wunsch. Sieht jede Ameise und jeden Kaugummi auf dem Weg ins Geschäft. Ablenken ist da nicht drin! 
Während man A. zB einen schönen Stein, ein hübsches Blatt, einen schillernden Schmetterling zeigt kann man ihr problemlos den Schlüssel, den sie gerade "geklaut" hat, aus der Hand nehmen. Oder wenn L. weint, weil sie jetzt nicht schaukeln kann. Da genügt es, ihr statt dessen das Wipptier anzubieten.
Bei Mia käme man damit nicht durch .... Da ist mehr Verhandlungsgeschick gefragt. Aber sie versteht meist auch, dass sie noch ein bisschen warten muss, oder bestimmte Dinge wieder dem rechtmässigen Besitzer zurückgegeben werden müssen. Den Satz "das gehört aber jemand anderem" hört sie zwar oft, aber sie sieht's auch ein.

... stur
Ich fürchte, das hat sie von ihrer Mutter ;)
Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, tut sie alles, um das auch zu bekommen. Auch das kann manchmal mit Verhandlungen gelöst werden. Manchmal.
Meistens gibt es aber nur zwei Möglichkeiten: nachgeben oder durchsetzten.
Das Problem beim Nachgeben ist, dass sei sich sehr genau merkt, dass sie "gewonnen" hat, das nächste Mal wird dann richtig schwer.
Das Durchsetzten ist aber in dem Moment auch nicht einfacher: wenn nicht unmittelbare Gefahr besteht, gibt es drei "Warnungen", dann passiert, was Papa/ Mama angekündigt hat. Das führt unweigerlich zu einem Zornausbruch. Mit einer Bandbreite von "ich-schau-Mama/ Papa-nicht -mehr-an" bis zu Wein- und Schreikrämfen, die bis zu einer Stunde dauern können. 

... anhänglich
So anhänglich, dass auch der Papa oft keine Chance hat. Alles, aber auch alles muss sie mit der Mama machen. Das heißt für mich: keine einzige Minute allein.
Einerseits ist es schön, mit Mia viel Zeit zu verbringen und ich freu mich, dass ich einen guten Draht zu meiner Tochter hab. Aber andererseits ist das auch sehr, sehr mühsam. Ich bin sehr gerne Mama, aber ich möchte nicht ausschließlich Mama sein! Ich möchte mein Hobby behalten! Und auch für Mia hat es Vorteile, auch mit dem Papa Zeit zu verbringen. 

Ganz schlimm ist es aber, wenn alles zusammenkommt - wie es vor mehr als einem Monat der Fall war (gleich nach dem Start ins neue Kindergartenjahr). Da war es so schlimm, dass wir uns professionelle Hilfe geholt haben - eine Psychologin. Nach einem fast zweistündigem Gespräch war Vieles klarer - allem voran: wir haben nicht alles falsch gemacht :)
Verbessern kann man trotzdem einiges:

- zu viele Wahlmöglichkeiten überfordern sie
Also besser: "komm, wir gehen einkaufen!" statt: "möchtest du mit uns mitkommen zum Einkaufen?" 
Das funktioniert super! Und sie geht sogar gerne mit - egal, ob zum Einkaufen oder auf einen Ausflug :)

- Veränderungen früh ankündigen
Denn Veränderungen erträgt sie nur schlecht. Und sie versucht natürlich alles, um dem auszuweichen, im "Notfall" macht sie mir ein so schlechtes Gewissen, dass ich am liebsten nachgeben möchte. 
Aber ich weiss ja, dass ich mich auf den besten Ehemann von allen verlassen kann. Auch, wenn die schlechtes-Gewissen-Taktik mit viel Weinen und Schreien bei mir wirklich gut funktioniert. 
Aber auch hier gibt's schon Erfolge: das erste mal, als ich fortgegangen bin, hat sie sich so aufgeregt, dass ich aus lauter Sorge wieder zurückgegangen bin. Obwohl er eigentlich alles unter Kontrolle hatte. Aber das musste auch ich erst lernen ...
Letzte Woche hat sie sich schon richtig auf den Abend nur mit Papa gefreut!

- Papa mehr in den Mittelpunkt stellen/ Verantwortung geben
Zum Beispiel ins Abendritual einbinden; im Auto neben ihr sitzen - auch beim Mittagsschlaf; Papa-Tage; ...
Verantwortung abgeben, das liegt mir gar nicht. Immerhin war ich zwei Jahre lang ca 16 Stunden am Tag allein für sie verantwortlich, da fällt es eben schwer, sich umzustellen. Und wird vermutlich noch ein bissl dauern, bis ich das so hinkriege, wie er das auch verdient...

- zusammenhalten
Sagt einem eigentlich der Hausverstand. Aber in der Praxis schaut das ganz anders aus: wenn Papa am Abend heimkommt und die kleine Maus grade mal 20 Minuten in der Früh gesehen hat, möchte er dann natürlich nicht mit ihr darum streiten, ob sie um 8 Uhr noch einmal anfangen darf, fernzusehen. Obwohl wir vorher abgemacht haben, dass jetzt gezeichnet oder gelesen wird. Dann möchte er die Stunde, die die beiden am Abend noch haben, gemütlich und in Ruhe mit seinem Mädchen verbringen. Das bringt mich aber in die blöde Situation, den "bad cop" spielen zu müssen. 
Jetzt sprechen wir uns kurz ab, wenn er heimkommt, um solche Situationen möglichst zu vermeiden. Und wenn's doch einmal passiert, dass Papa was erlaubt, das Mama verboten hat, darf Papa auch mal einen Rückzieher machen. Oder Mama überlegen, ob das Verbot wirklich sinnvoll war.

Die Erfolge sind (noch) nicht überwältigend, aber ein Fortschritt ist durchaus sichtbar! Wunder darf man sich halt auch von Psychologen nicht erwarten :)

eure, Andrea

Donnerstag, 26. September 2013

Mia spielt

Am liebsten Verstecken.
Dabei ist sie in der Wahl ihrer Verstecke nicht besonders wählerisch, zumindest ihr Gesicht muss halt verdeckt sein. Finden darf man sie deshalb noch lange nicht. Und um das zu vermeiden gibt sie schon mal falsche Hinweise: "Die Mia is unter'm Bett!!" oder "Die versteckt sich hinter der Bank!" hört man häufig. Und wenn sie fertig ist mit Verstecken kommt sie vorsichtig rausgekrochen und macht "Buuuuhhh!"

Ganz toll findet sie auch Nachlaufen.
Dass unser Esstisch dabei strategisch günstig - nämlich frei in der Mitte der Wohnküche - steht, macht die Sache nur noch lustiger. Immer rundherum gehts, in einem ziemlichen Tempo, bis den Mitspielern schwindelig ist. Dann nimmt sie eine "Abkürzung" unter den Sesseln durch und dreht die Richtung um. Je nach Bedarf ist dann die Couch, Mama, Papa oder ein Grosselternteil "Leo!" - aber nur für sie ;)
Manchmal ist nicht ganz klar, wer hier denn wen jagt. Und so wird der Jäger dann auch mal mit "Klatsch, gefangen - du bist dran!" und einem kräftigen Bauchklatscher überrascht.

Am Ausdauernsten ist sie aber bei Rollenspielen.
Da haben wir zwei zur Auswahl, je nachdem, welches Thema sie grade beschäftigt:
Kindergarten
Mia spielt die Mama und bringt ihr Kind (Mama oder Papa) in den Kindergarten. Das arme Kind muss dabei herzzerreissend weinen, während sie sich schnell verabschiedet und arbeiten geht: "Tschüüüss! Ich geh jetzt arbeiten und hol' dich dann gaaanz später ab!"
Mia geht ins nächste Zimmer, sagt ein paar Mal "bumm bumm!" (das war ihr Wort für "Arbeiten", als sie noch nicht so gut sprechen konnte) und kommt ihr mittlerweile wieder fröhliches Kind abholen. "Hast du brav geschlafen? Und was gegessen?"
Das kann sie scheinbar endlos im Kreis spielen ...
Rettung
Eines ihrer bedauernswerten Kuscheltiere hat sich schwer verletzt, meist gleich an mehreren Stellen. Da hilft kein Bussi und kein Drauf-Blasen, da muss die Rettung her!
Mama/ Papa nimmt also das Telefon und ruft die Rettung. Die darf derjenige dann auch gleich selber spielen, mit Martinshorn und allem, was dazu gehört. Schlussendlich läutet's dann an der Tür, Mia macht auf und dann muss das arme Kuscheltier schnellstens verarztet werden - am Rücken ein grosses Pflaster, an der Pfote einen Verband und auch am Aug ist ein Verband nötig!
Die Rettung darf dann wieder gehen, muss aber gleich wieder kommen, den Verband und das Pfaster entfernen.
Und wenn die Rettung wieder weg ist, fällt das patscherte Kuscheltier gleich wieder so unglücklich, dass Papa/ Mama sofort wieder die Rettung rufen muss ;)

Ganz hoch im Kurs stehen auch Puzzles.
Davon hat sie auch schon einige. Angefangen haben wir mit ganz einfachen: aus einer Kartonlandschaft sind Figuren ausgeschnitten, die wieder an den richtigen Platz gehören. Die hat sie ruck-zuck auswendig gelernt gehabt und kann sie mittlerweile schon fast mit verbundenen Augen. Trotzdem machen sie immer noch Spass, vor allem, wenn der Papa so tut, als wüsste er nicht, wo welches Teil hingehört ;)
Vor Kurzem haben wir ihr dann auch "richtige" gekauft, die, bei denen man mehrere Teile zusammenbasteln muss. Die ersten hat sie gleich wieder auswendig gelernt, erst bei den letzten beiden hab ich das Gefühl, dass sie wirklich schaut, was drauf ist, und wo das Teilchen dazugehören könnte. Wir müssen wohl einfach Puzzles mit so vielen Teilen kaufen, dass sie's nicht einfach auswendig lernen kann, wo welcher hingehört ...;)

In letzter Zeit malt sie auch sehr gerne.
Aus "Sicherheitsgründen" waren bisher nur Buntstifte erlaubt - die weissen Wände laden ja wirklich dazu ein, ein Kunstwerk darauf zu hinterlassen. Mittlerweile versteht sie aber, dass Papa und Mama das gar nicht witzig finden. Seither darf sie auch mit Wasserfarben und den Ölkreiden malen und zeichnen.
Und das tut sie auch ausgiebig - es vergeht kein Tag, an dem nicht unzählige neue Kunstwerke entstehen. Ein Bild für S., eines für deren Mama und Papa, ein Bild für M., eines für dessen Mama und Papa, eines für den eigenen Papa, eines für Oma und Opa ... ab und zu verschenkt sie die Bilder dann auch wirklich ;)

Bücher sind zwar nicht wirklich Spielsachen, aber sie ist richtig stolz auf ihre recht umfangreiche Bibliothek. Sie weiss genau, welche Bücher sie hat und worum es darin geht. Und sie weiss auch ganz genau, welches sie vorm Schlafengehen vorgelesen haben möchte - ein gaaaaaanz langes ;)

Bis bald,
Andrea

Montag, 2. September 2013

Mia's neues Kindergartenjahr

Jetzt ist es doch soweit gekommen: der Sommer ist vorbei und damit auch die Ferien.
Fast zwei Monate war Mia zu Hause, abwechselnd betreut von ihren Omas & Opas und Mama & Papa. Nicht immer haben das auch beide Seiten genießen können, aber im Großen und Ganzen hatten wir einen schönen Sommer!

Dementsprechend hat sich die Vorfreude auf den Kindergarten in argen Grenzen gehalten... (So schlimm, wie ich befürchtet hatte, war's dann aber doch nicht - ein paar Tränen sind am Frühstückstisch zwar geflossen, aber schon beim Weggehen war wieder alles halbwegs OK ...).

Viel hat sich geändert im Kindergarten:
Aus der Zwergerlgruppe ist eine Schäfchengruppe geworden. Mit hübschem, neuem Dekor an den Fenstern und den Spinden.

Mia's beiden beste Freunde M. und S. gehen ab heute ebenfalls in den Kindergarten, allerdings in die andere (Dschungel) Gruppe - das finde ich besonders schade. Mia hätte sicher mehr Freude am Kindergarten, wenn zumindest eine/r der beiden in ihrer Gruppe wäre. Aber sowas ist leider nicht zu ändern ... 

Eine weitere Neuigkeit macht mir aber schwereres Kopfzerbrechen: Mia's Lieblings"tante", K., hat mit Anfang dieses Kindergarten-Jahres eine neue Stelle und wird Mia's Gruppe nicht mehr betreuen. Das macht mir insofern Kopfweh als K. eine wirklich wichtige Bezugsperson für meine kleineres war, die sie immer wieder in den Kindergarten "locken" konnte, wenn sie grade wieder mal keine Lust hatte. Die "Neue", S., ist eine ganz junge, die im letzten Jahr als Springerin gearbeitet hat, um den Kindergarten mal kennenzulernen. Ganz neu ist sie also nicht. Ich bin gespannt, wie Mia mit ihr zurechtkommt ...!

Und zum guten Schluss hat Mia sogar einen neuen Spind bekommen. Das mag auf den ersten Blick gar keine so große Sache  zu sein, für Mia war es - gelinde gesagt - sehr irritierend. 

Wenigstens sind einige ihrer "alten" Spielkameraden noch geblieben, einige haben wir an den "großen" Kindergarten "verloren". 

Aber auch Mia hat sich im letzten Jahr sehr verändert: sie ist nicht mehr so schüchtern (und verrät sogar ab und zu Fremden ihren Namen, wenn sie danach gefragt wird...).
Das hängt sicher auch damit zusammen, dass sie sich in den letzten 6 oder 7 Wochen (in denen sie mich mit ihren Wutanfällen immer wieder strapaziert hat) wieder mal rasant entwickelt hat: sie stellt unglaubliche Zusammenhänge her und ist noch wortgewandter geworden. Das gibt ihr nicht nur die Sicherheit, verstanden zu werden, wenn sie mit Erwachsenen spricht, sondern auch die Möglichkeit, ihre Gefühle und Bedürfnisse besser auszudrücken. 

Ich bin gespannt, was mir meine kleine Maus gleich erzählen wird, wenn ich sie endlich abhole :)

Sonntag, 18. August 2013

Mia ist besonders ...

aufmerksam, einfühlsam, vorsichtig, emotional, feinfühlig, empfindsam, ... mit einem Wort: hochsensibel.
Hochsensibel zu sein heisst, die Umwelt und ihre Reize viel differenzierter wahrzunehmen und über sein Handeln viel gründlicher nachzudenken, als die etwa 80% der Menschen, die nicht hochsensibel sind. Und das führt - gerade bei (kleinen) Kindern - schnell zu Überreizung. Um diese Überreizung zu vermeiden ziehen sich solche Kinder oft zurück, gelten als schüchtern oder scheu.


Dass Mia besonders - oder anders als andere Kinder - ist haben wir schon sehr früh gelernt.

Dass sie keinen Kinderwagen mochte und lieber getragen wurde, 
dass sie immer früh dran war,
dass sie's mir (und sich) beim Schlafengehen nicht leicht gemacht hat, 
dass sie mit dem Kindergarten ihre Schwierigkeiten hatte (und noch immer hat),
dass sie's nicht mag, wenn viele Leute um sie herum sind - auch (oder vor allem) nicht am Spielplatz, 

das alles wissen diejenigen ja schon, die hier schon länger mitlesen (alle anderen dürfen gerne nachlesen ;) )

Mia hat aber ausserdem noch einen ausgeprägten Hang zum Perfektionismus. Sie sagt zum Beispiel selten ein Wort, das sie nicht richtig aussprechen kann. Einzig der "Mettalig" ( Schmetterling) hatte es ihr so angetan, dass sie ihn einfach beim Namen nennen musste, auch wenn's nicht ganz gepasst hat. Neue, schwierige Worte lässt sie sich einfach so lange immer und immer wieder vorsagen, bis sie jeden Vichstaben und jede Silbe genau verstanden hat und sie's richtig nachsprechen kann. 
Genau so lernt sie Texte von Kinderliedern und ganze Passagen von "Winnie the Pooh"  auswendig. Dabei hat sie ein enormes Gedächtnis, sie kennt unzählige Lieder, weiss genau, welche Folge "Winnie the Pooh" sie sehen möchte - nur anhand des winzigen Vorschaubildes - und weiss oft noch nach Monaten, wo sie eine Katze, eine Raupe oder einen toten Regenwurm gesehen hat.

Der Perfektionismus erstreckt sich auch auf so praktische Dinge, wie das Sauber-Werden. Auch hier hat sie so lange gewartet, bis sie's von heute auf morgen "einfach so" geschafft hat.
Und ich habe das Gefühl, dass das mit dem Schnuller- und Flascherl-Loswerden genaus so funktionieren wird : sie wird warten und immer wieder kurz probieren und erst dann alle Schnuller wegwerfen, wenn sie sicher ist, dass sie auch wirklich keinen mehr braucht.


Viel problematischer für sie sind neue Situationen. Alles, was neu und unbekannt ist, schreckt sie zuerst einmal. Wenn wir also etwas unternehmen wollen, wir Besuch (nicht nur von einem Fremden) bekommen oder essen gehen wollen, dann erzählen wir Mia spätestens einen Tag vorher davon. Das hängt natürlich davon ab, wie "gross" das bevorstehende Ereignis ist. Als zum Beispiel ein Freund von uns hier übernachtete, den Mia nur ein einziges Mal als Baby gesehen hatte, haben wir ihr das schon einige Wochen vorher erzählt. Und sie war so gut darauf vorbereitet, was passieren wird, dass sie sogar recht entpannt war und sich auf den Besuch freuen konnte! 

Problematisch ist manches Mal auch ihr Temperament: sie ist eine echte Königin des Dramas: 
Wenn sie zornig ist, dann mit aller Macht; man sieht förmlich die Funken aus ihren blauen Augen blitzen. Und sie kann schnell wütend werden. Oft wegen "Kleinigkeiten", die ich in diesem Moment gar nicht sehe, die für sie aber unerträglich sind. Da hilft nur, sie vorsichtig zu trösten - nur in ganz seltenen Fällen, wo ich sehen kann, dass sie eigentlich nur eine bestimmte Reaktion provozieren will, kann ich versuchen, sie "mit dem Schmäh" zu packen.
Wenn sie traurig ist, dann aus tiefster Seele; so, dass man selber traurig werden könnte. Zum Glück ist sie ein fröhliches Kind. Aber wenn andere Kinder weinen oder sie zB ein totes Tier entdeckt, dann geht ihr das sehr nahe.
Wenn sie lacht, dann mit ganzem Herzen; so ansteckend, dass man gar nicht anders kann, als mitzulachen; sie strahlt übers ganze Gesicht! Dieses Lachen entschädigt für die Wut-Anfälle; für lange Nächte, in denen ich 4, 5 Mal aufstehen musste oder in denen sie nur auf meinem Bauch geschlafen hat; für das stundenlange herumtragen, damit sie ihren Vor- und/ oder Nachmittagsschlaf halten konnte; einfach für alles.

Ich hab's schon angesprochen: Mia ist ein sehr empathisches Kind - sie merkt sofort, wenn was nicht stimmt, wenn jemand nervös, wütend oder traurig ist oder gar weint. Oder anders: heftige Emotionen anderer. Und es trifft sie noch viel mehr, wenn's Mama und Papa sind, die ihre Gefühle grad nicht im Griff haben. Besonders wichtig ist das dann, wenn wir wieder einmal in einer schwierigen Phase sind und sie mich wahnsinnig macht. Somst spielen wir uns gegenseitig hoch, die Situation gerät völlig ausser Kontrolle und zum Erfolg füjrt sowas bestimmt nicht.
Das Wichtigste also -  und Schwierigste - dabei ist, möglichst ruhig zu bleiben, gerade dann, wenn sie in so einer Phase ist. Mittlerweile gelingt mir das immer besser (der Papa ist sowieso ein recht ruhiger Typ, der schafft das viel besser als ich ...), aber oft fällts mir nicht grad leicht ...

Wirklich Erfolg hat man dann, wenn man ihr erklärt, warum bestimmte Dinge verboten (andere Kinder mit Steinen bewerfen) und andere notwendig (beim Strasse-Überqueren die Hand geben) sind. Solche nachvollziehbaren Ge- und Verbote merkt sie sich richtig gut, hält sich auch (in den allermeisten Fällen dran), aber verlangt auch von uns, sich daran zu halten und fordert die Einhaltung auch sehr deutlich ein :)


Eine grosse Erleichterung und Bereicherung war und ist die Freundschaft zu M und seiner Mama. M und Mia gleichen sich in so vielen Hinsichten und es ist wirklich schön zu wissen, dass Mia nur eine von Vielen ist, die einfach sensibler sind, als andere. 

Freitag, 9. August 2013

Mia lässt sich die Haare schneiden

Dass Mia nicht gerne Haare wäscht hab ich euch erzählt. Und obwohl wir die Prozedur zu ihrere Zufriedenheit weiter verbessert haben - sie liegt in meinen Armen und Papa wäscht ihr mit der Giesskanne die Haare - ist es ihr immer noch sehr lästig.
Und dann müssen die Locken natürlich mindestens zwei mal am Tag frisiert werden - eine Zumutung!
Immer wieder habe ich sie daher gefragt, ob ich ihr die Haare abschneiden darf, damit das alles einfacher wird. Immer wieder war die Antwort ein vehementes: "Nein!"
Bis Donnerstag, da hat sie kurz nachgedacht und tatsächlich "Ja!" gesagt! Und ist dabei geblieben, obwohl ich ihr gesagt hab, dass ich die Haare anschliessend nicht mehr lang machen kann, wenn sie sich nicht gefällt.
Also haben wir im Badezimmer ihren kleinen Schemel aufgestellt, ein Tuch zum Schutz vor den Haaren besorgt und meiner kleinen Maus eingeschärft, möglichst ruhig zu sitzen. 
Und das hat sie dann auch recht gut hingekriegt. Sie hat so ruhig gehalten, dass ich nicht nur die Haare abschneiden konnte, sondern ihr auch noch sowas wie eine Frisur verpassen konnte :)



Ich war ganz zufrieden mit dem Ergebnis, aber als sie sich zum ersten Mal im Spiegel gesehen hat, war sie ziemlich erschrocken und hätte fast zu weinen begonnen. Ich hab ihr dann erzählt, wie hübsch sie doch ist mit ihrer neuen Frisur und dass sie wie ein grosses Mädl ausschaut. Dann war sie plötzlich sehr zufrieden :)

Das Lob vom Papa hat sie dann gleich nochmal um 5 cm wachsen lassen :)


Alles in Allem: Projekt gelungen :)
Alles Liebe,
Andrea

Montag, 5. August 2013

Mia's erster Tag ohne Mittagsschlaf

Heute war soweit, was sich schon seit einiger Zeit angekündigt hat: Mia hat zu Mittag nicht geschlafen! Und das ist so gekommen: gestern waren wir mit ganz lieben Freunden wieder am Badesee. Das war zum Einen wirklich aufregend für die kleine Maus und zu, Anderen - trotz drohendem Hitzegewitter - so schön, dass keiner heim gehen (bzw. fahren) wollte. 
Dementsprechend lang (genauer: bis halb neun!) haben wir heute geschlafen. Und zu Mittag war sie einfach nicht müde genug, um auf der relativ kurzen Strecke nach Niedersulz, einzuschlafen - obwohl ich ihr erklärt hab, dass sie erst am Abend, wenn wir wieder ins Auto steigen, schlafen kann.
Den ganzen Nachmittag über waren wir im Museumsdorf unterwegs - Mia ganz brav zu Fuss und in bester Laune! 
Vom Schulgarten über das Gasthaus (wo sie ganz brav Würsterl gegessen hat) bis zum Zwerchhof und der Mühle kein Raunzen und kein Quengeln! Bis um kurz vor neun waren wir dann noch am riesigen Spielplatz beim Parkplatz. Von dort war sie allerdings nur mit einiger Überredungskunst ins Auto zu kriegen, aber auch das ging ohne Tränen. Nach einem halben Flascherl und nicht ganz 10 Minuten war sie dann so tief im Träumeland, dass sie kaum mitbekommen hat, wie ich sie ins Bettchen getragen habe :)
Mal schaun, wie die Nacht wird ...

Andrea